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Filmpreis für GeschlechterGerechtigkeit verliehen - die Preisbegründungen

15. April 2019

Beim 31. Filmfest Dresden – Internationales Festival für Animations- und Kurzspielfilm wurden am Samstag, den 13. April, die Preise verliehen. Mit dabei auch die lobende Erwähnung und der Preisträgerfilm der Jury für Geschlechtergerechtigkeit, der mit 1200€ dotiert ist.

Screenshot "Wren Boys"
Hauptdarsteller Lalor Roddy in „Wren Boys“ (2017)

Die Jury besteht aus Vertreterinnen des Genderkompetenzzentrum Sachsen e.V. und des LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V. sowie dem Vertreter des LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V.. Nach einem strukturierten und sehr kollegialen, verständnisorientierten Beratungsprozess ergab sich unser Votum.

Die lobende Erwähnung der Jury erhielt der Film WREN BOYS des Briten Harry Ligthon. Der Film wurde mit folgendem Wortlaut laudatiert:

Ein intensiver Kurzspielfilm. Schockierend führt er uns religiöse Intoleranz gegen Homosexuelle in Irland vor Augen. Besonders beeindruckend: Der Zaunkönig, ein kleines, listiges Vögelchen – als Metapher für eine patriarchal blockierte Gesellschaft. Es zwitschert die entscheidenden Neuigkeiten und wird deswegen von den Jäger*innen der Wahrheit erschlagen. Die lobende Erwähnung der Jury für GeschlechterGerechtigkeit geht an Wren Boys.

Protagonist*innen des Preisträgerfilms „Juck (Thrust)“ aus Schweden

Der Hauptpreis, der Filmpreis für GeschlechterGerechtigkeit, geht an den schwedischen Film JUCK [THRUST] des Künstler*innen-Kollektivs Olivia Kastebring, Julia Gumpert & Ulrika Bandeira. Hier der Wortlaut der Laudation durch Vera Ohlendorf vom LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V., Vertreterin der Jury:

Immer noch ist der ‚weibliche* Körper‘ Austragungsort patriarchaler Machtdiskurse. Der Beschränkung körperlicher Ausdrucksformen und weiblicher* Lebenswelten durch Sexismus, Rassismus, Heteronormativität, Gewalt, Alter oder Aussehen wird ein empowerndes Selbstverständnis für alle entgegengesetzt: provokativ, verbindend, aggressiv, solidarisch, ermutigend, befreiend. Der Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit geht an den Film „JUCK“.

Drei der Protagonist*innen des Films setzten während der Preisverleihung mit ihrer Live-Performance ein Highlight. Die provozierenden und empowernden tänzerischen Elemente, Gesten und Stimmungen ermutigen nicht nur Frauen*, sie reflektieren auch Facetten von Männlichkeit. Das während der Performance und im Film antizipierte, patriarchale Machtgehabe provoziert. Es stellt manchem Mann* einen Spiegel vor das innere „Ich“. Danke an die Organisator*innen des Filmfest Dresden und den Landesfrauenrat Sachsen, die diese Performance möglich gemacht haben. Die Performance von Juck im Zusammenspiel mit der Preisübergabe durch die Jury und eine Vertreter*in des Fachbereiches Gleichstellung und Integration des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales war ein bejubelter Höhepunkt der gelungenen Preisträger*innen-Veranstaltung.

Hier geht´s zur Übersicht der Preisträger*innen des Filmfest Dresden 2019.

Und: nach dem Filmfest ist vor dem Filmfest! Mit der folgenden Filmfest-Kurz-Doku (8 min., inkl. Ausschnitt „Wren Boys“) schauen wir freudig zurück und optimistisch voraus ins Jahr 2020.